Dual-Aktivierung – mehr oder weniger kurz erklärt

Longieren in der Quadratvolte durch die Pylonengasse Im Trab durch das Pylonen-Dreieck

Zu Beginn ein paar Merksätze
Der Gleichklang der Gehirnhälften ist ausschlaggebend für Leistungsfähigkeit, Gesundheitszustand und Gemütszustand des Pferdes! (Prof. Dr. Jansen, Gehirnforscher Universität Bremen)
Koordination, Balance und Körperbewusstsein stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Verhalten des Pferdes.
Das Pferd kann erst seinen wahren Charakter zeigen, wenn diese 3 Dinge im grünen Bereich sind.
Händigkeit ist reine Gehirnsache. Hohle Seite des Pferdes ist muskulär nicht unterschiedlich zu gebogener Seite. (Dr. Rooney, USA)
Pferde haben 2 Urängste: Hinzufallen (Balance zu verlieren) und gefressen werden.
Unkoordinierte Pferde benötigen bis zu 90 % mehr Energie.

Für wen ist die Dual-Aktivierung geeignet?

Unabhängig von Pferderasse oder Reitweise eignet sich die Dual-Aktivierung vom Freizeit- bis zum Turnierreiter für jeden, der es seinem Pferd ermöglichen möchte, die in seinem Rahmen bestmögliche Leistung zeigen zu können.
Nötig ist nur die Bereitschaft, Neues dazulernen und ausprobieren zu wollen. Nur wenn wir ausprobieren und selber erleben, können wir uns auch eine eigene Meinung bilden.

Worauf beruht die Dual-Aktivierung?
Wir wissen, dass Pferden grundsätzlich alles von links und rechts beigebracht werden muss, weil sie es nicht automatisch auf die andere Körperhälfte übertragen können. Das ist für uns Menschen schwer nachvollziehbar, weil unsere Sehweise sich von derjenigen der Pferde unterscheidet:
Binokulare Sehweise
Mensch – beide Augen sehen dasselbe Bild.
Monokulare Sehweise
Pferd – linkes Auge ist meistens das Sicherheitsauge, rechtes Auge das Fluchtauge, jedes Auge hat ein anderes Bild

Der Erfahrungsspeicher des linken Auges ist oftmals besser gefüllt, weil Pferde meistens dieses Auge bevorzugen. So versuchen die Tiere, mit diesem Auge zu sehen, ob Gegenstände bekannt oder unbekannt sind und diese dann in gefährlich oder ungefährlich einzustufen.
Pferde sind Dichromaten, sie sehen nur die Farben blau und gelb, Menschen sind Trichromaten, wir sehen die Farben blau, gelb und rot, dies ergibt die farbige Welt, wie wir sie kennen.
Mit Hilfe der Farben blau und gelb setzen wir intensive Reize auf beide Augen/Gehirnhälften und somit auf beide Körperhälften des Pferdes. Auch das ungeübtere rechte Auge wird so immer wieder aktiviert.

Doppellonge in der Quadratvolte durch Gassen Doppellonge im Paralell-Quer

Warum Links-Rechts-Reize?
Die rechte Hirnhälfte steuert linkes Auge und linke Körperhälfte und umgekehrt. Bei Pferden sind die beiden Gehirnhälften viel schlechter verschaltet als beim Menschen. Es findet nur ein träger Austausch statt. (calloso bulbärer Index: er beträgt beim Menschen 3.12, beim Schimpansen 1,79, beim Elefant 1.11, beim Delphin 0.93, beim Hund 0.89, beim Pferd 0.70)

In der Humanmedizin wird die EMDR (Eye Movement Desentization and Reprocessing) zur Behandlung von Traumata angewandt – durch Links-Rechts-Reize der Augen werden Traumata und Phobien aus dem Mandelkern (Amygdala) gelöst und gelöscht und können so verarbeitet werden. Der Mandelkern ist eine Art Zwischenspeicher für Emotionen und Erlebtes. In diesem Sitz für Emotionen ist alles, was das Pferd erlebt hat, unreflektiert abgespeichert. Droht Gefahr, kann innerhalb von einem Sekundenbruchteil der Fluchtreflex ausgelöst werden – für uns Reiter alles andere als wünschenswert.

Und hier setzt die Dual-Aktivierung an. Indem wir den Gleichklang der Gehirnhälften fördern, also den Informationenaustausch verbessern, erreichen wir:
_ Verbesserung von Koordination und Balance
_ Verbesserung von Körperbewusstsein und Selbstbewusstsein
_ Verbesserung der Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit
_ Bewusstmachung von Bewegungsabläufen, dadurch gezielter Muskelaufbau
_ Motiviertes, gelasseneres und durchlässigeres Pferd

Arbeitsmethode und Aufbau

Die 3 Säulen der Dual-Aktivierung
1. Farben und Gassen
2. Art der Übungen
3. Konzentration von Mensch und Pferd

Bodenarbeit
1.Positionieren
2. Fahnenarbeit
3. Longieren (Einfach- und Doppellonge)

Reiten
Haben wir das Pferd ausreichend am Boden auf seine Aufgabe vorbereitet, können wir mit Reiten beginnen.
In der Dual-Aktivierung werden auf genial einfache Art klassische Übungen sichtbar gemacht. Dazu sind unserer Phantasie im Parcoursbau keine Grenzen gesetzt. Die Dual-Aktivierung soll Mensch und Pferd Spass machen sowie Abwechslung und Kreativität in den Alltag bringen. Auch hier gilt allerdings das Prinzip vom Leichten zum Schweren, vom Groben zum Feinen, auch mit kleinen Erfolgen zufrieden sein und vor allem Anerkennung der Bemühungen des Pferdes.

Fahren am Boden Reiten im Pylonenzirkel

Das 10-10-5 Prinzip
Dieses Intervalltraining ist eine Arbeitsmethode, die durch abwechselnde Belastungs- und Erholungs-Phasen gekennzeichnet ist. Bewährt hat sich dieses Prinzip, weil die Pferde sich darauf verlassen können und somit nicht Energie sparen, sondern eifrig mitarbeiten:
10 Minuten Arbeit im Schritt – Pause – 10 Minuten Arbeit im Trab – Pause – 5 Minuten nochmals vollkonzentrierte Arbeit mit maximaler Anforderung – Schluss.

Das Arbeiten nach diesem Prinzip kann kürzer, aber niemals länger ausfallen. Kürzer, wenn Mensch oder Pferd sich nicht mehr konzentrieren können. Und es kann durchaus passieren, dass der Mensch vor dem Pferd schlapp macht. Hier gilt es ehrlich zu sein und lieber frühzeitig aufzuhören.

Deutliche Anzeichen für Überforderung beim Pferd sind:
_ Stolpern / Koordinationsverlust
_ Übertriebenes Abprusten (mehrmals kurz hintereinander)
_ Komplettes Verweigern
_ Schneller oder langsamer werden
_ Kopf in Schiefhaltung

Noch einige Worte zur Motivation
Ganz wichtig ist, dass wir immer beide Seiten gleichmässig trainieren!
Die Erfahrung zeigt, dass es nichts bringt, die «schlechtere» Seite des Pferdes mehr zu trainieren.
Wir ärgern damit nur unsere Pferde. Denn stellen Sie sich vor, wie es sich anfühlt, als Dank für ihre Bemühungen noch eine Extraschicht einlegen zu müssen für eine Arbeit, die nicht so leicht fällt. Motivieren wir unsere Pferde lieber, indem wir sie häufig loben für Ihre Bemühungen und unsere Anerkennung zeigen, selbst für kleine Erfolge und Verbesserungen.
Und das ist doch eigentlich unser grösstes Geschenk, wenn unsere Pferde gerne mit uns zusammen sind, weil wir uns als verlässliche, liebevolle und souveräne Pferdemenschen und Führungspersönlichkeiten zeigen.

Empfehlenswert ist 2-3 Mal pro Woche abwechslungsreiche Arbeit in der Dual-Aktivierung.

Weitere Infos unter: www.dual-aktivierung.de

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